Gestern waren wir fremde online dating

Aus Berlin heimkehrende Touristen, die man dort vorsorglich geführt und umschmeichelt, rühmten die Ordnung und ihren neuen Meister, allmählich begann man in England seine ›Ansprüche‹ auf ein Großdeutschland schon leise als berechtigt zu billigen – niemand begriff, daß Österreich der Stein in der Mauer war, und daß Europa niederbrechen mußte, sobald man ihn heraussprengte.

Ich aber empfand die Naivität, die edle Gutgläubigkeit, mit der die Engländer und die Führenden unter ihnen sich betören ließen, mit den brennenden Augen eines, der zu Hause die Gesichter der Sturmtruppen von nahe gesehen und sie singen gehört: »Heute gehört uns Deutschland, morgen die ganze Welt.« Je mehr die politische Spannung sich verschärfte, um so mehr zog ich mich darum von Gesprächen zurück und von jeder öffentlichen Aktion.

Ich wußte nicht, für wie lange Zeit ich in London wohnen würde.

Bloß eines war mir wichtig: wieder zu meiner eigenen Arbeit zu gelangen, meine innere, meine äußere Freiheit zu verteidigen.

Alles, was ich dazwischen versucht, getan, gelernt, genossen, schien weggeweht, ich stand mit mehr als fünfzig Jahren wieder an einem Anfang, war wieder Student, der vor seinem Schreibtisch saß und morgens in die Bibliothek trabte nur nicht so gläubig, nicht so enthusiastisch mehr, einen Schimmer von Grau auf dem Haar und ein leises Dämmern von Verzagtheit über der ermüdeten Seele.

Von jenen Jahren 19 in England viel zu erzählen zögere ich, denn schon trete ich nahe heran an unsere Zeit, und wir alle haben sie beinahe gleichmäßig durchlebt, mit der gleichen, von Radio und Zeitung gehetzten Unruhe, den gleichen Hoffnungen und gleichen Sorgen.

Die Freunde waren fern, der alte Kreis zerstört, das Haus mit seinen Sammlungen und Bildern und Büchern verloren; genau so wie damals war ich wieder von Fremde umgeben.

England ist das einzige Land der alten Welt, in dem ich nie einen Artikel zeitgebundener Art in einer Zeitung veröffentlichte, nie im Radio gesprochen, nie mich an einer öffentlichen Diskussion beteiligt habe; ich habe dort anonymer in meiner kleinen Wohnung gelebt als dreißig Jahre vordem der Student in der seinen in Wien.

So habe ich kein Recht, England als gültiger Zeuge zu schildern, um so weniger als ich mir späterhin gestehen mußte, daß ich vor dem Kriege nie wirklich Englands tiefste, ganz in sich verhaltene und nur in der Stunde äußerster Gefahr sich enthüllende Kraft erkannt. Gerade die beiden, denen ich mich später zu verbinden begonnen hatte, John Drinkwater und Hugh Walpole, nahm der Tod frühzeitig hinweg, den Jüngeren wiederum begegnete ich nicht oft, da ich, aus jenem unselig mich belastenden Unsicherheitsgefühl des ›foreigners‹, Klubs, Diners und öffentliche Veranstaltungen mied.

Ich nahm mir, weil aller Besitz schon wieder Bindung bedeutet, darum kein Haus, sondern mietete ein kleines Fiat, gerade groß genug, um in zwei Wandschränken die wenigen Bücher zu bergen, die ich nicht zu entbehren gewillt war, und um einen Schreibtisch aufzustellen.

Damit hatte ich eigentlich alles, was ein geistiger Arbeiter um sich braucht. Aber ich wollte lieber in engstem Rahmen wohnen, um zwischendurch frei reisen zu können: schon war mein Leben unbewußt auf das Provisorische und nicht mehr auf Bleiben gestellt.

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